What goes up must come down
30. Januar 2018
Wetlands
1. Februar 2018
 

Tag 28

Kepler Track Tag 3
Iris Burn Hut – Moturau Hut

Reißverschlüsse und raschelnde Tüten reißen uns trotz Ohropax aus dem Schlaf, aber immerhin mussten wir so keinen Wecker stellen.
Wie angekündigt hat es in der Nacht angefangen zu regnen, weshalb wir beim Frühstück schon überlegen, welche Regenschutz Vorkehrungen wir für die heutigen 16 Kilometer treffen werden.

Ich mag die Regenklamotten eigentlich nicht, weil dann überhaupt kein Lüftchen mehr an den Körper kommt, aber gerade als wir los stiefeln wollen, kommt noch mal ein richtiger Schauer runter und nimmt uns die Entscheidung ab.
Ich schlüpfe also in Regenjacke und -Hose während Sandra ihren Poncho überzieht, der nicht nur ziemlich komisch aussieht (wie Batman), sondern sich in Kombination mit dem großen Rucksack auch als eher unpraktisch erweist.

Wir wandern durch den Wald, über Brücken und vorbei an Farnen, die meiste Zeit begleitet von einem leichten Nieselregen.
Irgendwann baut sich vor uns ein kleiner Vogel auf dem Weg auf. Es ist ein New Zealand Robin und genau so hatte es uns Robbie gestern angekündigt. Ich folge seinem Rat, scharre mit dem Fuß ein wenig über den Boden und mache einen Schritt rückwärts. Der kleine kommt ganz nah vor mich, um zu überprüfen, was ich da tolles ausgebuddelt habe. Auf mein Bein springt er zwar nicht (wie es Robbie erzählt hat), aber trotzdem eine lustige Geschichte.

Das Streckenprofil heute ist verhältnismäßig leicht, aber die letzten beiden Tage stecken uns ziemlich in den Knochen, weshalb jeder kleine An- und Abstieg schmerzt. Wir marschieren den Iris Burn entlang bis zu unserer Mittagspause an einer Hütte am Fluss.
Es regnet nur noch wenig und ich bin froh als ich endlich die Regensachen ausziehen kann, die mittlerweile von innen so nass sind, dass ich sie mir auch hätte sparen können.

Auf einem Stein im Fluss sitzend versuchen wir ein wenig zu trocknen, da die Sonne sogar ab und zu raus kommt und schleppen uns dann weiter (ohne Regenschutz) in Richtung Lake Manapouri.

So langsam ist der Ofen bei uns beiden aus und wir sind froh, als endlich der See durch die Bäume schimmert.
Wir schmeißen uns in den Sand und bekommen schnell Gesellschaft von einem älteren Pärchen aus San Francisco.
Die beiden fackeln nicht lange und schmeißen sich unter Beobachtung eines Kormorans in die Fluten, was mir auch den letzten Motivationsschub gibt ins Wasser zu steigen. Nach drei Tagen wandern mit 15-20 Kilogramm auf dem Rücken freut sich mein Körper einfach mal nicht mal sich selber tragen zu müssen.
Das Wasser ist angenehm wenn man mal drin ist und auch Sandra springt noch kurz mit rein. Schöner Nebeneffekt ist, dass wir endlich mal unseren kompletten Körper richtig mit Wasser in Berührung bringen.

 

Mit neuer Kraft (und ich in Badehose) nehmen wir die letzten zwei Kilometer am See entlang zur Moturau Hut in Angriff.
Als wir ankommen ist kaum jemand dort. Viele sind vermutlich noch ein wenig weiter zum alternativen Parkplatz gelaufen, von dem aus man einen Shuttlebus nach Te Anau oder zum Hauptparkplatz nehmen kann. Von der anderen Seite startet bei den aktuellen Wetterprognosen wohl kaum jemand spontan.

Wir treffen Clara und Alex wieder sowie ein Vater-Tochter Gespann aus Sydney. Das San Francisco Pärchen ist da und natürlich tauchen auch unsere französischen Freunde noch auf.

Heute dürfen wir endlich ebenerdig schlafen und können uns sogar auf vier Matratzen breit machen.
Wir packen alle belohnungs-Leckereien die wir noch finden können zusammen und legen uns an den Strand, von dem aus wir den heftigen Regen in den Bergen beobachten können.
Ich nehme noch mal ein Bad im See.

In der Hütte werden wir vom heutigen Ranger Phil in Empfang genommen, der uns ausführlich erzählt, wie nass wir morgen werden (nämlich 240ml/m2 nass).
Danach kommt unsere letzte Mahlzeit zum Einsatz. Wir hatten zu Weihnachten zwei Einzelportionen gefriergetrocknetes Futter geschenkt bekommen und staunen nicht schlecht, dass 170g in den Beuteln sein sollen – was unserer neuseeländischen Doppelportion der letzten zwei Tage entspricht.

Da es keine Mülleimer auf den Hütten gibt und wir ungern die Schleimreste mitschleppen wollen führt dies dazu, dass ich mich erst durch mein Wild-Gericht futtere, dann durch Sandras Ungarn-Topf Reste und zum Glück hatten wir auch noch eine riesige Portion Kartoffelpürree für den Notfall mit, die nun auch noch vernichtet werden muss. Klara und Alex haben Nudeln dabei und sind bei unserer Essensvernichtung keine große Hilfe, aber wenigstens schmecken alle Gerichte ganz passabel und so schlafen wir im Anschluss mit gut gefüllten Mägen bei heftigem Regen ein.

 

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