16 Kilometer für ein Bad im See
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Tag 29 | Kepler Track Tag 4 | Moturau Hut – Car Park

Wetlands

Es regnet. Wie angekündigt. Und das soll sich heute auch nicht mehr ändern (weshalb die Kamera heute im Rucksack bleibt). Aber wir sind vorbereitet. Eigentlich haben wir im Vergleich zu einigen anderen teilen des Landes richtig Glück, aber das erfahren wir erst später.

Theoretisch gäbe es die Möglichkeit, um 10 Uhr den Notfall-Shuttlebus am nächsten Parkplatz zu nehmen, aber wir haben beschlossen, dass das ja Beschiss wäre und sind nach dem Frühstück so spät dran, dass wir es eh nicht mehr schaffen würden. Also wieder 16 Kilometer heute.
Ich schenke mir heute die Regenhose und trage lieber Shorts, Sandra ist wieder stylisch im Poncho unterwegs.
Das Wasser, was wir jeweils in den Hütten auffüllen konnten, hat heute eine etwas fiese, gelbe Farbe, was daran liegt, dass es mehr oder weniger direkt aus dem See kommt. 

Kurz nach dem Start verlassen wir den Lake Manapouri und erreichen einen Lookout in den Wetlands, einer Sumpflandschaft, die hauptsächlich dafür sorgt, dass bei starkem Regen wie heute nicht alles Wasser in die Flüsse und Seen fließt, sondern es in sich aufsaugt, um dann in Trockenzeiten wieder für einen gleichmäßigen Wasserpegel sorgen zu können. Ansonsten ist heute erst mal wieder Moos und Wald angesagt, später dann auch Farne und zwischendurch sogar mal baumloses Grasland.

Am Waiau River, der Lake Manapouri und Lake Te Anau verbindet, entlang laufen wir in Richtung Parkplatz, wobei laufen fast wörtlich zu verstehen ist, denn wir sind in einem Tempo unterwegs wie Ailton auf dem Weg zum All you can eat Buffet. Heute überholt uns niemand (evtl. weil außer den Franzosen niemand später als wir losgelaufen ist) und wir sehen auf dem Weg auch nur zwei Damen aus deren Sicht das Treffen wohl so aussah: Dame 1: „Hey, wir haben den ganzen Tag niemanden in diesem Wald gesehen, ob ich mich wohl kurz hier erleichtern kann?“ Dame 2: „Na klar, wer soll denn hier schon kommen, leg los“.
Auftritt Sandra und Tim 🙂

Durch Pfützen und über überfüllte Bäche düsen wir weiter, weil es einfach bei dem Regen keinen Grund mehr gibt nicht so schnell wie möglich zum Auto zu kommen, das wir schließlich nach 16 Kilometern ohne Pause in unter vier Stunden bzw nach 60 Kilometern und um die 22 Stunden (mit Pausen) erreichen. Sandra hat sich schon seit gestern mit Schulterschmerzen rumgeplagt und ist froh, den Rucksack endlich abwerfen zu können.

Wir schmeißen uns nass bis auf die Unterhose ins Auto und fahren schnellstmöglich in unsere nächste Unterkunft, die wir glücklicherweise nicht weit entfernt gebucht haben.
Hier genießen wir nach dem Check-in unsere letzte Dose Cola und endlich auch eine warme Dusche in unserer kleinen Hütte.
Wir fühlen uns wieder wie richtige Menschen und fahren(!) die paar Meter zum Haupthaus, um uns dort unsere eigentlich für den Marsch geschmierten Brote mit unseren Notfall-Suppen zu gönnen, bevor ich Sandra in einem Match, dass in etwa so hochwertig wie der Tischbelag ist, eine Billard-Lektion erteile.

Zum Abendessen fahren wir dieses Mal nach Te Anau, wo wir uns unsere wohlverdienten Burger mit Limo und Passion Fruit Cider reinpfeifen. Wir zögern unseren Abmarsch noch bis zur angekündigten Live Musik hinaus, müssen aber schnell einsehen, dass niemand an den australischen Ed Sheeran herankommt und bewegen uns zügig Richtung Auto und Bett.

 

4 Kommentare

  1. Ralf sagt:

    Einfach toll, wie ihr diesen Wahnsinnstrip bewältigt habt! Und vielen Dank für die kurzweiligen Berichte und schönen Fotos, die uns eure Tour hautnah erleben lassen!

  2. Mascha sagt:

    Die Pinkel-Episode ist mein Highlight bis jetzt. Ganz großes Erzähler-Kino!

  3. Helga Engelmann sagt:

    Respekt für euer Durchhaltevermögen und ich möchte immer weiter lesen

  4. Christian sagt:

    Ich weiß zwar nicht, warum du Kegelblitz Ailton so angehen musst, wo die Vorstellung von dir auf dem Weg zum All You Can Eat Buffet die Szenerie vermutlich sogar noch besser gezeichnet hätte. Aber es sei dir mit 60km in den Beinen heute mal verziehen 😉

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