Tag 18

Blue Mountains

Heute fahren wir von Sydney aus in die Blue Mountains. Die heißen übrigens so, weil der aufsteigende Dunst der Eukalyptus Bäume der Landschaft eine blaue Färbung verleiht.
Wir genießen unser Skyline Frühstück und kommen wie immer eine halbe Stunde zu spät los. Über den Motorway fahren wir zunächst zum Visitor Center in Glenbrook.

 

Leider fahren wir versehentlich direkt zum Park-Eingangstor und auf dem dortigen Parkplatz beginnt eine Reihe eher unglücklicher Ereignisse an diesem Tag. Mein Schienbein macht unsanft Bekanntschaft mit einer Anhängerkupplung. Bis auf den Verlust des ein oder anderen Hautfetzens bleibt aber alles ganz.
Wir suchen das echte Visitor Center und besorgen uns Karten unserer geplanten Wanderungen, dem Grand Canyon Walk und dem South Lawson Waterfall Circuit.

Bei über 30 Grad fahren wir eine weitere Stunde zum Startpunkt des ersten Walks.
Um in den Canyon zu kommen geht es logischerweise erst mal bergab. Wir laufen über feuchte Treppen an Spinnennetzen vorbei durch den Regenwald.

Sandra schafft es wieder in ein Spinnennetz zu laufen, dieses Mal allerdings ohne die Bewohner gleich mitzunehmen. Der Weg ist insgesamt 6km lang und führt uns unten angekommen an einem Fluss entlang durch das Tal. Hier ist es zum Glück deutlich kühler als oben und wir laufen hauptsächlich durch den Schatten auf diesen wirklich netten und empfehlenswerten Track.

Hier folgt Teil 3 unserer unglücklichen (der ein oder andere könnte es auch tollpatschig nennen) Ereignisse: als Sandra auf einen Ast tritt, bewegt sich dieser plötzlich unter ihrem Schuh und gibt sich als Schlange zu erkennen. Sie ist etwa 60cm lang, schwarz und glatt. Da wir beide den Kopf des flüchtenden Tieres nicht mehr sehen, können wir sie auch später nicht mehr identifizieren. Aber für die Dramaturgie: Sie sah extrem gefährlich und giftig aus.

Das Highlight folgt kurze Zeit später: ich versuche mal wieder etwas vorzulaufen, um Sandra zu fotografieren (sie findet das mega toll, sonst würde ich es ja nicht machen :p), drehe mich beim laufen mit der Kamera schon im Anschlag um, vergesse dabei aber darauf zu achten, wo ich hinlaufe. Ich treffe den Felsen unter meinem Schuh nur halb, mein Körper würde sich aber liebend gerne auf genau diesen stützen und so knickt mein Knöchel in einem eher ungesunden Winkel um und ein lautes „Fuck“ hallt durch den Canyon.

Da ich mir schon mal ein paar Bänder in diesem Knöchel gerissen habe, kann ich den brennenden Schmerz ganz gut deuten. Selbstdiagnose vom Arzt-Sohn: Bänderdehnung oder Riss (zum Glück können wir nicht googeln, sonst wäre eine Amputation wohl unumgänglich gewesen).
Vielleicht hätten wir dich lieber richtige Ankle Boots anstatt der halbhohen Wanderschuhe kaufen sollen.

Nach ein paar Minuten Pause muss es aber humpelnd weiter gehen, wir sind schließlich gerade ziemlich genau in der Mitte des Weges – und auch des Nirgendwos.
An einem schattigen Plätzchen legen wir eine Picnic Pause ein und bekommen Besuch von einem großen Forest Dragon.

Er hat es auf unsere Weintrauben abgesehen und weil wir es hassen, wenn Leute Wildtiere füttern, tun wir jetzt einfach so, als hätte Sandra nicht etwas panisch  einen Teil davon weggeworfen, als die wildgewordene Bestie bis auf ein paar Zentimeter an sie heran watschelt.
Das Ganze ist uns etwas unangenehm, weshalb wir als sich eine weitere Gruppe zu uns gesellt erst mal so tun, als wäre die Echse gar nicht da (sie hat schließlich noch nicht aufgegessen und das Korpus Delicti liegt direkt neben ihr und der Rest in unseren Händen). Unser Plan geht auf und erst als nur noch das Gerippe übrig ist und die Echse sich davon entfernt, machen wir noch ein paar Fotos und verdrücken uns schnell.

Die Touristen Dichte auf dem Weg durch feuchte Felshöhlen und über kleine Bäche ist insgesamt ziemlich entspannt (einige Leute stapfen sogar in Neoprenanzügen durch den Fluss oder Seilen sich an Felswänden ab), bis kurz vor Schluss eine chinesische Busladung den Weg für ein lautes Gruppenfoto blockiert.

Der Weg hinaus aus dem Canyon hat es dann in sich. Wir müssen unzählige Steinstufen erklimmen, bis wir endlich ziemlich fertig am Evans lookout ankommen, um von dort zurück zum Parkplatz zu marschieren.

Mit dem Auto steuern wir einen Rastplatz an, wo wir einen unterirdischen Nudelsalat verdrücken und meinen Fuß genauer in Augenschein nehmen, der inzwischen schon ein wenig angeschwollen ist.

Danach fahren wir zunächst zum Govetts Leap Lookout und dann geht es wieder zurück auf die Straße in Richtung Sydney, wobei wir  die Hauptattraktion des Parks, die „Three Sisters“ links liegen lassen, da wir beide keine Lust auf einen Menschenauflauf haben.

Ein Tankstellen-Eis später parken wir am Lawson Waterfall Circuit.
Mein Fuß ist einigermaßen in Ordnung und wir sehen irgendwie nicht ein, den weiten Weg nur für eine Wanderung gemacht zu haben.

Der Rundweg beinhaltet mehrere Wasserfälle, die aber durch die anhaltende Trockenheit kaum Wasser führen. So ist er eher unspektakulär, hat aber den Vorteil, dass außer uns niemand da ist und es kommt dadurch zumindest ein kleines „allein im Dschungel“ Gefühl auf.

Ziemlich ausgelaugt fahren wir zurück nach Sydney, wo wir noch schnell ein Glas für unsere Hardrock Café Weltkarte besorgen. Wir stellen unser Auto bei John ab und setzen uns anschließend in ein Thai Restaurant, um danach im Bett meinen inzwischen richtig dick angeschwollenen Fuß zu verbinden.

Ich habe für 22 Uhr noch ein Hochzeits-Vorgespräch per Skype vereinbart und nachdem wir unsere Rucksäcke für den morgigen Flug nach Neuseeland gepackt haben fallen uns relativ schnell die Augen zu.

 

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