Tag 20

Kaikoura – Reefton

Um 5 Uhr steht Sandra aufrecht im Bett. Eine laute Sirene weckt uns unsanft und Sandra hatte den großen Zettel an der Tür nicht gesehen, der darauf hinweist, dass genau das ab und zu passiert und der Alarm zur freiwilligen Feuerwehr gehört.
Beim Frühstück erzählt uns Judy, wie mal ein Mädel bei so einem Alarm das ganze Haus evakuiert hat.
Wir erfahren auch einiges über das Erdbeben und die Auswirkungen auf die Stadt.
Die liebenswürdige Judy erzählt grundsätzlich gern und viel, was wir aber tatsächlich ganz angenehm finden.

Wir müssen schon wieder auschecken und fahren ein paar hundert Meter weiter Ans Meer, wo wir eine Whalewatching Tour gebucht haben. Die ganze Umgebung liegt noch immer im Nebel und so kann man weder weit ins Landesinnere, noch aufs Meer hinaus schauen.

Nach einem kurzen Safety Video im Info Zentrum der Whalewatching Firma fahren wir mit dem Bus zum Hafen, wo es direkt auf den Katamaran geht.
Im Winter ziehen hier auch Buckelwale vorbei, aber Pottwale kann man ganzjährig vor der Küste beobachten und genau die werden wir heute suchen.
Auf der Fahrt aufs offene Meer begleiten uns in der Ferne ein paar Delphine und wir sehen einige Albatrosse.

Unser Captain fängt irgendwann an mit einer Art Hörgerät im Wasser nach den für Pottwale typischen Klicklauten zu horchen, um sie zu orten (kann mir jemand sagen, wie das Ding heißt?). So kreist er mitten im Nichts den Aufenthaltsort der Tiere ein, bis er irgendwann sagen kann, an welcher Stelle einer auftaucht und auch, dass mindestens zwei Tiere in der näheren Umgebung sind. Das ganze klappt tatsächlich und in einigen Metern Entfernung sehen wir die charakteristischen Wasserspritzer aus einem Atemloch aufsteigen. Wir fahren näher an den Wal heran und können vom Deck aus gut die Dimensionen erkennen, wobei Pottwale üblicherweise nicht wie Buckelwale aus dem Meer springen, sondern eher entspannte Zeitgenossen sind. Der Wal zeigt uns frecherweise nicht mal seine Schwanzflosse beim abtauchen, aber zum Glück taucht nicht weit entfernt sein Kollege auf und bei diesem haben wir mehr Glück.

Da die Suche einige Zeit in Anspruch genommen hat müssen wir uns leider schon wieder auf den Rückweg machen. Der Ausflug endet mit der Busfahrt zurück zur Basis und wir machen uns vor der Weiterfahrt noch auf den Weg zur örtlichen Robbenkolonie.

Der Weg zum Meer führt über einige Felsen und ich schaffe es glorreicherweise mit meinem kaputten Knöchel noch mal umzuknicken. Dieses Mal laufen wir nicht noch 6 Kilometer weiter sondern brechen unser Unternehmen ab und besprechen beim „World Famous Fish BBQ“ (dass seinem Ruf nicht wirklich gerecht wird) unsere Optionen. Der Knöchel tut wirklich weh und in meinem Kopf lösen sich schon die Pläne der kommenden Tage und Wochen in Luft auf.

Wir beschließen zunächst in einer Apotheke nach einer Aircast Schiene oder ähnlichem zu fragen, werden dort aber an die örtliche Klinik verwiesen.
Nach 2 Stunden Wartezeit schauen sich eine Schwester und ein Arzt meinen Fuß an und bestätigen meine Vermutung, dass ein Band gerissen oder gedehnt ist.
Ich bekomme einen strammen Verband angelegt, wir nehmen ein Coolpack mit und uns wird neben hochlegen, Ruhe und Kühlung der Besuch eines Physiotherapeuten nahegelegt, bevor wir in 6 Tagen den Kepler Track in Angriff nehmen (was der Arzt zumindest nicht ausschließt).
Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir die Klinik und sehen überrascht, dass der Nebel sich endlich verzogen hat und das bis hierhin eher trist wirkende Kaikoura wirklich nett zwischen Bergen und Meer liegt.

Genießen können wir das nicht, da wir durch den Arztbesuch ziemlich spät dran sind und für unsere eigentlich als gemütliche Bummelfahrt geplante Überfahrt zur Westküste nach Reefton nun nicht mehr viel Zeit bleibt. Das ist besonders blöd, da wir eigentlich gar nicht nach Reefton wollen, sondern die Berge nur aufgrund der schönen Strecke über den Lewis Pass überqueren.

So düsen wir zügig über die Highways 70 und 7 vorbei an Schafen und Bergen, unterbrochen nur von einem kleinen Picnic, nach Reefton. Sandra muss nun als Fahrer ran, da ich irgendwie versuche mein Bein auf dem engen Beifahrerplatz hoch aufs Armaturenbrett zu legen und gleichzeitig den Coolpack darunter zu platzieren.

In der Dämmerung erreichen wir Reefton (übrigens die erste Stadt mit Elektrizität in Neuseeland), wo wir aufgrund der Abwesenheit anderer Gäste in einen „en-Suite“ Raum upgegradet werden und ohne Abendessen ins Bett fallen.

 

2 Kommentare

  1. Ralf sagt:

    Das Dingens für unter Wasser zu Hören heißt übrigens Sonar (sogar ohne Google gewusst).

    • Tim sagt:

      Lieber Vater, ein Sonar sendet Schallwellen aus und wertet das aus, was zurück kommt.
      Mit dem Gerät hat er aber ausschließlich gehört (ohne Google gewusst aber im Gegensatz zu dir hab ich mich vorher noch mal abgesichert 😉 )

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