Good Cab, bad Cab
25. März 2018
Monkeymania
27. März 2018
 

Tag 82

Sandakan – Sukau

Gerade erst ausgepackt, wird unser Gepäck schon wieder eingepackt und wir verlassen unsere Hütte.
Direkt über unserer Tür entdecken wir einige Fledermäuse und auf dem Weg zum Frühstück taucht unsere Krokodilschlange wieder auf. Ich frage einen Mitarbeiter ob das ein Krokodil da im See wäre, aber er lacht nur und klärt uns auf: es ist ein Water Monitor Lizard oder auch Taubwaran auf deutsch. Die Tiere können bis zu dreieinhalb Meter lang werden, sehen aus wie eine kleinere Mischung aus Krokodil und Komodowaran und sind hier sehr verbreitet, uns aber neu.

Nach dem Frühstück sitzen wir mit gepackten Koffern an der Rezeption und warten vergeblich auf unsere Abholung, die eigentlich um acht Uhr stattfinden sollte. Wir werden die nächsten Tage im Regenwald verbringen und starten heute zunächst mit einer Tour in unserer momentanen Umgebung. Als um kurz vor halb Neun noch immer niemand da ist, lassen wir von der Rezeption mal telefonisch nachfragen und erfahren, dass wir erst um 08.50 Uhr abgeholt werden. Später teilt man uns mit, dass man im Hotel angerufen hätte und wir nicht auffindbar gewesen wären, weil wir nicht auf unserem Zimmer waren… sondern im Restaurant direkt vor der Rezeption.
Naja, das werden wir gerade noch überleben, denn kurze Zeit später werden wir „pünktlich“ mit zwei weiteren Gästen abgeholt.

Wir fahren nur ein paar Meter weiter zum Sepilok Orang Utan Rehabilitation Center, wo wir von unserem Guide Asley begrüßt werden, der uns die nächsten Tage über zur Seite stehen wird.
Etwas hektisch geht es dann zunächst in den Videoraum, in dem wir einen gut gemachten Film über die vier Stationen der Rehabilitation der verwaisten Orang Utan Babys, die hier hergebracht werden sehen.
Zunächst geht es in die Quarantäne-Station, danach kommen die Tiere in die Indoor Nursery, wo sie aufgepäppelt werden und ersten Kontakt mit ihren Artgenossen haben. In Schritt drei geht es in die Outdoor Nursery, die bereits einen offenen Zugang zum Regenwald bietet. Die Affen können hier selber entscheiden ob und wie weit sie in den Busch gehen.
Der letzte Schritt ist dann die endgültige Auswilderung.

Nach dem Film schließen wir unsere Rucksäcke weg, da wir nur unsere Kameras mit zur Futter-Plattform nehmen dürfen. Können wir gar nicht verstehen, was soll denn schon groß mit unseren Flaschen und Rucksäcken und Affen passieren 😉

Als nächstes besuchen wir die Outdoor Nursery (in die Indoor Nursery dürfen wir leider nicht), wo wir von einer Plattform aus durch ein Fenster drei junge Orang Utans in der dritten Phase beobachten können.

Danach gehen wir zur Futterplattform, die den bereits ausgewilderten Orang Utans (auf deutsch: Mann des Waldes) die Möglichkeit bietet, ihre Nahrung zu ergänzen, so lange sie möchten. Manche kommen nie wieder, andere kehren noch jahrelang hier hin zurück.
Heute machen sich zunächst ein Long Tail Macaque (Javaneraffe) und ein Eichhörnchen über die Früchte her. Wir stehen mit jeder Menge Besuchern auf der Beobachtungsplattform und entdecken dann doch noch einen Orang Utan in den Bäumen. An den Früchten ist dieser aber scheinbar nicht wirklich interessiert.
Ebenfalls in den Bäumen finden wir drei Bushy Crested Hornbills (Kurzschopfhornvögel), typische Bewohner Borneos. Hier gibt es insgesamt acht verschiedene Hornvogel-Arten, von denen wir viele in den nächsten Tagen zu Gesicht bekommen werden und ich werde euch mit jeder einzelnen davon inklusive deutscher Übersetzung langweilen. Grundsätzlich bleibe ich aber bei den englischen Namen, da wir sie so auch von Asley hören (und es dem Ganzen auch einen viel exotischeren Touch gibt 😉 ).

Unser Weg führt uns nun ins angrenzende Bornean Sunbear Conservation Center. Den kleinsten Bären der Welt kennen wir bereits als „Malaienbär“ aus dem Kölner Zoo, aber auf Borneo ist er heimisch.
Hier können wir mehrere Bären in ihren großen Gehegen sehen, die eigentlich durch Zäune abgegrenzte Waldbereiche sind. Über 40 gerettete Tiere warten hier auf ihre Auswilderung.

 

Auf dem Rückweg zum Bus haben wir dann doch noch eine unverhoffte Begegnung. Ein jugendlicher Orang Utan hängt direkt über unseren Köpfen und zieht eine ziemliche Show ab. Vermutlich ist es einer von denen, die zum Fressen zurück zur Station kommen.
So haben wir also schon unsere erste hautnahe Erfahrung mit einem (fast) wilden Orang Utan, noch bevor wir überhaupt in den Busch gestartet sind.

Mit dem Kleinbus fahren wir nun zu einem Hotel, wo es ein leckeres Mittagsbüffet gibt und dann geht es zum Fähranleger, nachdem wir uns zwischendurch in einem kleinen Supermarkt noch mit neuem Insektenspray, Getränken und Junkfood eingedeckt haben.
Der Anleger ist etwas ranzig, das Speedboat das wir betreten macht dann aber einen ordentlichen Eindruck.
Im Gegensatz zu Indonesien, wo man froh sein kann, wenn es überhaupt für jeden im Notfall eine Rettungsweste gibt, ist das Tragen einer solchen hier Pflicht.

Wir beziehen zunächst unsere etwas ungemütlichen Plätze vorne im Boot, ziehen dann aber schnell auf die Bank ganz hinten um. Dank Ausblick und Fahrtwind eine gute Entscheidung.
Zweieinhalb Stunden soll die Fahrt über den Kinabatangan gehen, die uns auf dem Fluss tief in den Regenwald bringen soll.
Bereits jetzt sehen wir jede Menge Tiere in der Luft, in den Bäumen und im Wasser. Sehr verbreitet sind die großen, weißen Egrits (Reiher). Außerdem sehen wir über uns noch einen White Bellied Sea Eagle (Weißbauchseeadler), einen Brahminy Kite (Braminenweih, ein Habicht-artiger Vogel) und einen Crested Serpent Eagle (Schlangenweihe). Auch in den Bäumen finden unser Captain und Asley immer wieder Tiere, mit denen wir erst bei den kommenden Fluss Safaris gerechnet haben.
So halten wir in der Nähe des Ufers, um eine Gruppe Proboscis Monkeys (Nasenaffen) zu beobachten, die es ausschließlich auf Borneo gibt und die mit ihrem etwas lustigen Aussehen eines der Wappentiere der Region sind. Aus irgendeinem Grund sind mir die großnasigen Tiere sehr sympathisch ;).

Kurze Zeit später dürfen wir dann auch schon unseren ersten richtig wilden Orang Utan beobachten. Das Weibchen versteckt sich allerdings größtenteils hinter den Bäumen in der Nähe ihres Nests, das sich die üblicherweise als Einzelgänger lebenden Tiere jede Nacht im oberen Drittel der Bäume neu bauen.
Die Longtail Makaques oder Javaneraffen kennen wir bereits aus Bali und ziemlich schnell ereilt sie das von unserer Südafrikareise bekannte „Gazellenschicksal“: Da sie allgegenwärtig sind, werden Sichtungen in den Baumwipfeln schnell zur Normalität und ignoriert. Auf dem Wasser winken uns heimische Fischer zu und ich erhasche einen ganz kurzen Blick auf ein Krokodil, das allerdings aufgescheucht von unserem Motor schnell vom Ufer ins Wasser gleitet.
Ansonsten wird der Fluss von unzähligen ganz ähnlich aussehenden Kreaturen beherrscht und als eine Teilnehmerin fragt, ob das ein Krokodil sei, erklärt uns Asley: „I call this a Logodile“. Ein Baumstamm also, der mit massenweise Artgenossen und anderen Vegetationsfragmenten den Fluss runter treibt, die dabei oft aussehen wie Krokodile.

Wir kommen nach der kurzweiligen Fahrt in der Sukau Rainforest Lodge direkt am Kinabatangan an und bekommen erst mal einen Welcome Drink, eine kurze Begrüßung und Einführung sowie unseren Zimmerschlüssel.
Die Lodge bzw. die Anlage steht mitten im Regenwald und Teile dessen stehen wiederum mitten in der Anlage. Ein Culago bzw. Flying Lemur (Philippinen-Gleitflieger) inklusive Nachwuchs hängt an einem Baumstamm direkt neben dem Steg zwischen Anleger/Restaurant und Hauptgebäude. Wir schmeißen unsere Rucksäcke in unserem sauberen Zimmer ab, dann gibt es frittierte Süßkartoffeln und Mais als Snack, bevor wir zu unserer ersten River Safari starten. Diese findet in einem offenen Boot statt, das neben dem normalen Motor noch mit einem leisen Elektromotor ausgestattet ist, um die Tiere nicht zu verscheuchen.

Unsere Truppe besteht aus einer 5-köpfigen dänischen Familie, einem Pärchen aus Australien, Asley, einem Bootsführer und uns.
Außerdem fahren noch drei weitere Boote aus der Lodge los und auch andere Boote sind unterwegs. Trotzdem verläuft sich alles gut auf dem großen Fluss und wir können mit viel Ruhe nach Bewegungen im Busch Ausschau halten.
Asley erklärt uns, dass wir heute hauptsächlich den Proboscis Monkey suchen: „Mark my words“ sagt er. Das werden wir tun.

Wir fahren langsam in einen deutlich kleineren und mystisch wirkenden Seitenarm und wir fühlen uns stark an das südafrikanische Safari Feeling erinnert.
Nur ein paar Minuten dauert es, bis Asley sein Versprechen einlösen kann und wir eine Gruppe der Nasenaffen entdecken.
Sandra ist übrigens für die Tierportraits zuständig, da mein Objektiv für diesen Zweck einfach den Gewichtsrahmen für diese Reise gesprengt hätte und sie nun parallel zu meinen zwei weitwinkligeren Objektiven mit einer leichteren, dafür aber mit ordentlich Brennweite ausgestatteten Objektiv/Kamera Kombi unterwegs ist.
Damit kann sie während der Fahrt noch einige Long- und Pigtailed Makaques (Schweinsaffen) festhalten, einen weiteren Flying Lemur sowie einen seltenen Silver Langur (Silberner Haubenlangur) und einen Crested Serpent Eagle.

Asley entdeckt und erkennt all diese Tiere blitzschnell, weiß ob es Männchen oder Weibchen sind und vermutlich kennt er sie auch alle beim Vornamen. Durch seine ruhige und kompetente Art gewinnt er in uns schnell zwei neue Fans.

Crested Serpent Eagle

Silvered Langur

Wir kehren zur inzwischen beleuchteten Lodge zurück, in der nach einer kurzen Ruhepause drei mal der Essensgong schlägt und wir bekleidet mit den zur Verfügung gestellten Sarongs zum Abendessen im Restaurant am Fluss spazieren. Das Buffet kann sich sehen lassen, doch Sandra fehlt scheinbar noch etwas Würze, für die dann eine Ameise sorgt, die sich in ihrer Lippe verbeißt.

Das Schicksal ist heute nach unseren durchwachsenen Indonesien-Wochen scheinbar auf Wiedergutmachungskurs, denn während des Essens erfahren wir, dass wir heute noch aufgrund des morgendlichen Missverständnisses kostenlos am Night Cruise teilnehmen dürfen. Wir hatten das schon ganz vergessen und da Lodge bzw. der Tourveranstalter ja gar nichts dafür können, sagen wir, dass das nicht nötig sei, aber die Dame besteht darauf.

So sitzen wir nach dem Essen schon wieder im Boot und tuckern mit einem großen Scheinwerfer bewaffnet auf den bereits in schwarze Nacht gehüllten Fluss, was irgendwie unheimlich ist.
Zum Einstieg findet Asley einen Blue Eared Kingfisher (Meningtineisvogel) und einen Broadbill (Breitrachen) in der Dunkelheit.
Endlich sehen wir auch einen Water Monitor Lizard in voller Pracht und erkennen gut, warum wir ihn für ein Krokodil gehalten haben.
Als nächstes halten wir neben einem Baum in dem ein Civet liegen soll. Wir haben keine Ahnung was das ist (nachher schlagen wir nach, dass es eine Zibetkatze ist, eine Marder-artige Schleichkatze) und auch nach drei Minuten direkt daneben finden wir nichts zwischen den Ästen.
Weiter geht es zu einem Babykrokodil, einem Green Crested Lizard (Borneo Schönechse, Borneo Langschwanzagame oder auch grüner Calotes… ihr merkt, warum ich lieber bei der englischen Bezeichnung bleibe) und einigen weiteren Vögeln. Keine Ahnung, wie man gerade so ein Babykrokodil im Wasser zwischen zig Ästen bei Nacht findet, aber die beiden Jungs hinten im Boot machen das mit Leichtigkeit.

Water Monitor Lizard

Noch ein mal finden wir in den Bäumen einige Nasenaffen (bei denen die deutsche Bezeichnung einfach so viel treffender ist) und fahren dann zurück zur Lodge, wo wir schnell den Muff des langen Tages abduschen und mit den Geräuschen des Dschungels einschlummern.

 

1 Kommentar

  1. Ralf sagt:

    Es hat uns niemand gesagt, dass ihr in Wirklichkeit auf einer Bildungsreise seid und demnächst ein Buch a la Brehms Tierleben veröffentlichen werdet. Dann wird es auch sicher nicht mehr lang dauern, bis arte oder 3Sat anfragt ….

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