Monkeymania
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Tag 84

Sukau

Wie schon gestern laufen wir um kurz vor Sechs für unser early Breakfast zum Steg runter. Morning Cruise ist angesagt, um möglichst viele aktive Tiere zu sehen.
Mit dem Sonnenaufgang gleiten wir in völliger Stille in unseren bekannten Seitenarm vom Vortag, vorbei an Adlern, Eichhörnchen und verschiedensten Vögeln.
Die Stille ist allerdings mit einem Mal vorbei, als wir ein lautes Rufen aus den Baumwipfeln hören.
Asley braucht nicht lange, bis er den Verursacher ausmachen kann. Ein Gibbon hängt an einem Ast und brüllt sich auf der Suche nach einem Partner die Lunge aus dem Leib.
Kurz darauf wird es etwas unheimlich, als wir mit unserem Boot direkt unter einer Yellow Racer Snake parken, einer Natter, die zum Glück völliges Desinteresse zeigt.

 

Wir fahren zurück zur Lodge und haben Freizeit bis Mittags, die Sandra für einen Besuch bei der hauseigenen Masseurin nutzt, während ich bei einem neuerlichen Rundgang auf dem Boardwalk bis auf die ortsansässige Makakengruppe (dieses Mal ohne Zwischenfall) keine neuen Sichtungen verzeichnen kann und die restliche Zeit für einige Bilder von der Lodge nutze.

Nach dem Mittagessen (wie immer zu gut und zu viel) decken wir uns mit einigen Mitbringseln für die Daheimgeblieben ein und werden von einem ordentlichen Schauer überrascht, bevor wir schon wieder im Boot sitzen. Dieses Mal allerdings nur kurz, denn auf der anderen Seite des Flusses steigen wir in Sukau in einen Bus, der uns vorbei an aneinandergereihten Palmölplantagen zu den Gomantong Caves bringt, deren Zufahrt von einem Pigtail Macaque halbherzig bewacht wird.
Wir steigen aus und werden als erstes mit Bauhelm und Mundschutz ausgestattet. Eine gute Idee, wie wir später merken werden.

Durch den Wald laufen wir auf einem rutschigen Holzsteg ein paar Minuten zu einer Lichtung. Hier stehen mehrere Holzhütten auf Stelzen, in denen einige Arbeiter beheimatet sind. Was die hier machen? In der Höhle, deren riesigen Eingang wir hinter den Hütten schon erahnen können, wohnen zum einen tagsüber ca. 1,5 Mio. Fledermäuse, zum anderen aber auch etwa ebenso viele Salanganen, eine Schwalben-ähnliche Vogelart. Die übel riechenden Hinterlassenschaften der Tiere werden täglich eingesammelt und hauptsächlich als biologischer Dünger verwendet.
Den zweiten wertvollen Rohstoff der Höhle konnten wir bereits gestern aus der Nähe begutachten: Die Nester der Vögel sind hauptsächlich in China heiß begehrt, wo eine Schwalbennestersuppe als Delikatesse gilt, da den Piepmatz-Behausungen heilende Kräfte nachgesagt werden. Glück bringen sie vermutlich auch noch und im Zweifel hilft es auch der Potenz. Zwei mal pro Brutsaison wird streng reglementiert geerntet (ein Mal vor der Eiablage, ein Mal nach dem Schlüpfen), um den Bestand nicht zu gefährden. Ich persönlich werde vermutlich eher kein Fan davon, alten Vogelspeichel zu verzehren.

Wir betreten die Höhle und sofort steigt uns der beißende Guanogeruch trotz Mundschutz in die Nase. Über uns flattern bereits ungeduldige Salanganen, während auf dem Boardwalk unter uns erste Kakerlaken ihr Unwesen treiben. Laut Sir David Attenborough, der 2011 unsere Rain Forest Lodge und die Gomantong Caves für eine Reportage besucht hat, sollen sich ca. 50 Mio von ihnen (vermutlich handgezählt) hier vom Fledermausdung ernähren. (https://vimeo.com/116906127) Als uns Asley das vor dem Ausflug erzählte, hatten wir Indiana Jones-mäßige Verhältnisse erwartet. Zum Glück bevölkern aber nur wenige der Tiere den Holzsteg und das dazugehörige Geländer.
Von oben tropft es auf unsere Helme, aber ob das Wasser oder etwas anderes ist, können wir im Halbdunkel nicht wirklich einordnen. Wir drehen eine Runde durch die Höhle, deren Größe kaum fassbar ist. Zwei kleinere Öffnungen in der Decke lassen einen Blick auf einige Fledermäuse zu, die Mehrheit von ihnen, die vermutlich die komplette Höhlendecke bedeckt, lässt sich aber nur erahnen. Die Kombination aus Dunkelheit und allerlei Kleinvieh an den Steinwänden ist weder Sandra noch mir geheuer und wir sind ganz froh, dass wir nicht allzuviel Zeit in der Höhle verbringen. Am Ausgang zeigt uns Asley noch die Gerätschaften, mit der sich die Arbeiter anhand von Seilzügen und abenteuerlichen Konstruktionen die Höhlenwände hoch ziehen, um an die Schwalbennester zu kommen.

Anschließend versammeln sich alle Besucher vor der Höhle, um auf den allabendlichen “Exodus” der Fledermäuse zu warten. Während wir so warten entdeckt jemand völlig unverhofft (also zumindest für uns Ahnungslose) einen Orang-Utan, der in den Büschen überhalb des Höhleneingangs sein Nest für die Nacht baut. Ein schöner Zeitvertreib, bis wir endlich beobachten können, wie weit über uns der schmale Strom der Fledermäuse beginnt, die hauptsächlich durch die große Öffnung über der Hinterseite der Höhle ausströmen. Wir müssen zugeben, dass wir in unserer Vorstellung nach unserer Erfahrung in Australien einen Strom von Tieren durch den Haupteingang direkt an uns vorbei erwartet hatten. Ein Spektakel ist es aber allemal. Auch, weil sich über der Höhle zwei Bat Hawks (deutsch: Fledermausaar) zunächst gegenseitig bekriegen und nachher aus dem nicht enden wollenden und immer breiter werdenden Strom der Fledermäuse bedienen. Bevor wir aufbrechen müssen, entdecken wir noch einen kleinen Fledermausstrom direkt über dem Haupteingang und kommen so doch noch mal etwas näher ans geschehen.

Müde geht es zurück zur Lodge, wo uns Asley beim Abendessen erzählt, wie er mal eingekesselt von Elefanten mehrere Stunden auf einem Baum verbracht hat und wie er hautnah einen der scheuen Clouded Leopards (Nebelparder) mit seiner Beute beobachten durfte. Für den perfekten Tagesabschluss fehlt eigentlich nur noch das Lagerfeuer.

 

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