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Tag 85

Sukau – Sandakan – Kuala Lumpur

Unser letzter Tag auf Borneo bricht an. Wir haben unsere Rucksäcke schon gepackt, als wir das letzte Mal den Weg zum Restaurant am Fluß antreten. Sandra ist etwas beunruhigt, dass unser Gepäck schon lange vor uns wieder auf dem Fluss unterwegs ist, aber nach den bisherigen Erfahrungen mache ich mir keine Sorgen.
Mit vollem Bauch verlassen wir schweren Herzens unser Heim der letzten Tage, dass wir mit Affen verschiedenster Größe teilen durften.

Wir genießen den Fahrtwind und die strahlende Sonne, bis wir am Flussufer zwei weitere Boote stehen sehen. Da wir ja eigentlich nicht auf der Suche nach Tieren sind, aber trotzdem anhalten ist klar: Da ist was im Busch (sorry 😉 ). Und zwar etwas Interessantes. Ich sehe, wie ein Mann auf dem anderen Boot eine Geste mit beiden Händen an den Ohren macht und gebe diese an Sandra weiter. Während mein Denkapparat erst mal nicht mehr als ein Bild von Luca Toni ausspuckt, weiß Sandra direkt Bescheid: Elefanten!
Wir fahren zunächst ganz nah an das andere Boot heran, können jedoch nicht wirklich etwas erkennen. Erst als wir an die Pole Position am Ufer gelangen, sehen wir durch eine kleine Lücke im Dunkel des Waldes, wie sich ab und zu ein wedelndes Ohr zeigt. Vernünftige Fotos sind schwer bis unmöglich, aber darum geht es ja auch nicht (und das aus meinem Munde).
Dieser letzte schöne Moment rundet unsere Fluss-Safari perfekt ab.

Dass das vor uns fahrende Boot kurze Zeit später drei Krokodile vertreibt, so dass wir diese nicht mehr sehen, fällt da kaum ins Gewicht, zumal wir auch noch selber eine Baby-Version entdecken.
Nach zwei Stunden erreichen wir den Fähranleger, wo unser Gepäck bereits auf uns wartet. Eine kurze Busfahrt durch Sandakan bringt und zum English Tea House in Sandakan, von wo aus wir eine gute Aussicht auf die allerdings nicht wirklich schöne Bucht haben und zu Mittag essen.

Der nächste Stopp ist das Rainforest Center in der Nähe unseres ersten Resorts und der Orang Utan Station. Wir laufen auf einem ziemlich rostigen und klapprigen Stahl-Konstrukt durch die Baumwipfel und auf einen 45 Meter hohen Aussichtsturm, von dem aus wir den Regenwald von oben betrachten können. Ein Giant Squirrel trinkt direkt neben uns aus einem Astloch und wir genießen den gemütlichen Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein, vor dem sich Asley mit einem großen Blatt schützt. In einer Info-Galerie können wir uns noch mal über die verschiedensten Tiere informieren, die wir in den vergangenen Tagen entdecken durften, auch wenn uns unser hervorragender Guide sowieso schon das Meiste darüber erzählt hat.

 

Damit endet allerdings auch der Tier- und Naturteil unseres Trips, denn das letzte Ziel ist eine Gedenkstätte des zweiten Weltkriegs, zu der wir nun mit dem Bus fahren. Wie schon in Australien und Neuseeland haben wir überhaupt keine Ahnung von dem Teil des Krieges, der sich im pazifischen Raum abgespielt hat. Wir befinden uns auf einem Gelände, das heute ein schöner und ruhiger Park ist, den Japanern aber früher über mehrere Jahre als Gefangenenlager für hauptsächlich australische und britische Soldaten gedient hat, die bei der Invasion der malayischen Halbinsel und der der anschließenden Schlacht um Singapur gefangen genommen wurden. Dies war die verheerendste Niederlage einer britisch-geführten Streitmacht in der Geschichte und brachte bis zu 2500 der ca. 80.000 gefangenen Briten und Australier nach Sandakan, um hier an einem Flugfeld zu arbeiten. Von diesen überlebten letztenendes ganze sechs Australier die Gefangenschaft, wobei die meisten Soldaten erst bei den sogenannten Todesmärschen von Sandakan nach Ranau im Westen von Sabah ums Leben kamen.
Fast eine Stunde lang lesen wir uns durch die erschütternden Infotafeln.

Mit diesen beeindruckenden sowie bedrückenden letzten Impessionen werden wir schließlich zum Flughafen gebracht, wo wir uns auch von Asley verabschieden müssen.

Da wir diesem verdientermaßen unser letztes Bargeld in die Hand drücken und am Flughafen kein Laden Kreditkarten akzeptiert, müssen wir die nächsten zwei Stunden inklusive 45-minütiger Flug-verspätung und den darauf folgenden dreistündigen Flug mit Hunger und Durst verbringen. Nach der Völlerei in der Lodge ein ungewohntes Gefühl.
Der Flug über den Wolken ist eher ereignisarm und als wir in Kuala Lumpur landen und unser Gepäck in den Fingern haben führt unser Weg schnurstracks zum ersten Laden der irgendwie nach Essen aussieht. Dass das letzten Endes KFC ist, bereuen wir schon beim ersten Bissen, aber der Hunger treibt’s rein.

Da es keine Verbindung von Sandakan nach Singapur ohne Übernachtung gibt, haben wir uns direkt im Flughafen ein “Zimmer” im Container-Hotel gebucht. Wie der Name schon erahnen lässt, bietet unsere Behausung nicht viel mehr Platz als für das Bett das darin steht. Wir freuen uns über die ordentliche Dusche und quetschen uns dann für die nächsten dreieinhalb Stunden mitsamt unserer Rucksäcken in das Doppelbett, vom Gang lediglich durch ein Rollo getrennt.

 

 

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