Wasser, Erde und Luft
19. März 2018
Walk the Plank
21. März 2018
 

Tag 76

Komodo

Um 4.50 Uhr hören wir das erste mal den Muhezzin, zum Glück relativ passend zu unserem Wecker, denn wir sollen um 5.30 Uhr vor unserem Hostel abgeholt werden.
Überraschend bekommen wir vom Wachmann einen Frühstücksbeutel für unterwegs mit Brot, Butter und Bananen.
Auf der Straße wollen uns anschließend verschiedene Rollerfahrer mitnehmen und wir befürchten schon, dass wir bei Ihnen hinten drauf mit fahren müssen.
Ein Fahrer sucht mit einer Liste nach „Michael und Marley“ und durchsucht zunächst unser Hostel. Tim und Sandra sucht er aber auf Nachfrage nicht.
Als er zurück kommt und uns die Liste zeigt, stehen unsere Namen natürlich ganz oben.
Zum Glück können wir ihm ein paar Meter zu Fuß zu einem Restaurant folgen, wo wir auf einige Mitfahrer treffen (unter anderem Michael und Marley).
Wiederum ein paar Meter weiter erreichen wir den Hafen und besteigen unser mittelmäßig vertrauenserweckend aussehendes Boot, auf dem bereits weitere Leute und zwei Fahrer warten.
Mit insgesamt neun Teilnehmern brechen wir auf, wobei unsere beiden Fahrer einfach überhaupt nicht reden (sie konzentrieren sich aufs Kettenrauchen) und ob wir überhaupt auf dem richtigen Boot sind, wissen wir eigentlich auch nicht. Der Name der Firma bei der wir gebucht haben taucht auf jeden Fall nirgendwo auf. Wir lassen Labuan Bajo mit dem Sonnenaufgang hinter uns und fahren unter lautem Motorengebrüll und -Gestank zunächst in Richtung Padar Island, wobei der Großteil der Truppe erst mal versucht Schlaf nachzuholen und Sandra und ich in einiger Entfernung eine große Gruppe Delphine beobachten können.
Außerdem gönne ich mir eine erste phänomenale Runde Bananentoast.

Nach zwei Stunden legen wir in der Bucht von Padar Island an, wo bereits andere Boote angedockt haben und dementsprechend reger Fußverkehr herrscht. Unsere Fahrer reden sogar mit uns: „You have one Hour“. Alles weitere müssen wir selber herausfinden. Was aber nicht allzu schwer ist, da wir einfach dem einzigen Weg und den anderen Leuten den Berg hoch folgen, was wiederum in der Hitze recht anstrengend ist.
Aber es lohnt sich, und wie. Bereits auf dem Weg und erst recht oben angekommen eröffnet sich uns ein sagenhafter Ausblick über die Insel, deren Berge sich auf verschiedene Arme verteilen. Für diesen Ausblick hat sich der Trip schon gelohnt.
Natürlich vertrödeln wir oben zu viel Zeit, so dass wir mal wieder als letzte und zu spät unten ankommen, aber mit Ärger müssen wir nicht rechnen, dafür müsste nämlich einer der Fahrer mit uns sprechen.

Als nächstes fahren wir mit dem Boot weiter nach Komodo in den dortigen Nationalpark.
Wir gehen über den Steg und so ziemlich das erste was wir sehen, ist ein dicker Komodo Waran (ca. 3-4 Meter lang) nur wenige Meter neben uns. Natürlich werden sofort Handys und Kameras gezückt, aber nur Sekunden später eilt ein Mann auf uns zu und ruft „no photos, you can take later. Everyone in office“.
Dem ganzen verleiht er noch zwei mal Nachdruck, so dass wir uns alle gehetzt ins winzige Büro quetschen und der schöne Moment zerstört ist.

Wie vorher angekündigt (anscheinend nicht allen Mitreisenden) müssen wir ca. 20$ Gebühren zahlen, wobei wir jeweils vier verschiedene Zettel mit unterschiedlichen Posten und Beträgen bekommen. Dass die Gesamtsumme dieser Quittungen unter der tatsächlich gezahlten Summe liegt, kommt mal wieder wenig überraschend.
Als alle gezahlt haben ist der kleine Mann ein wenig entspannter und startet mit einem weiteren Guide einen Spaziergang mit uns. Wohin? Keine Ahnung. Wir bekommen keine Hintergrundinformationen über die Insel oder die Wanderwege.

Wir laufen gemeinsam über einen angelegten Weg in den Busch (wo unser kleiner Freund sich erst mal erleichtert…20 Meter nachdem wir das Toilettenhäuschen passiert haben wohlgemerkt) und treffen schnell auf einen kleinen Waran, kurz dahinter liegt aber eine große Version. Das urzeitliche Tier wirkt ganz entspannt und wir gehen deutlich näher heran, als wir für sicher gehalten hätten.

Unser Guide erzählt nun doch etwas über die Tiere, die durch die mehr als 50 verschiedenen Bakterien in ihrem Speichel mit einem Biss sogar Wasserbüffel angreifen, die sie dann über mehrere Tage verfolgen, bis sie schließlich sterben und ein ordentliches Festmahl darstellen.
Unser Exemplar ist unserem Guide nicht aktiv genug, weshalb er mit seinem Stab den Kopf der Echse anhebt. So hatten wir uns das in einem Nationalpark irgendwie nicht vorgestellt.
Als nächstes werden Gruppenfotos mit bzw. hinter dem Waran gemacht und wir haben Mühe ihn (den Guide) davon zu überzeugen, dass wir das nicht möchten. Sandra wird beim Fotografieren das Handy aus der Hand gerissen und er macht selber ein paar Bilder damit.
Unterdessen scheucht der andere Guide ein weiteres Männchen aus dem Busch auf die kleine Lichtung. Immerhin lassen sie die beiden jetzt in Ruhe.

Wir setzen unseren Spaziergang fort und kommen nach einer Wildschweinsichtung wieder am Hauptgebäude an. Hier finden wir zwei weitere Warane, die entspannt im Gras liegen, während nicht weit entfernt potentielle Beutetiere wie Rehe und Schweine (und wir) umherlaufen.
Das war’s, die Tour ist vorbei und wir kehren auf unser Boot zurück.

Ich wollte ja eigentlich nicht mehr so miesepetrig über eigentlich tolle Erlebnisse berichten (gerade nachdem ich den begeisterten Bericht von unserem Mitstreiter Ben über die wirklich coole Uluru Tour gelesen habe, während ich selber nur auf dem armen Guide Dave rumgehackt habe 😉 ), aber wie man eine so faszinierende und außergewöhnliche Sache so dermaßen vermiesen kann, ist mir völlig schleierhaft.
Dave, es tut mir leid, was hätten wir hier darum gegeben dich als Guide zu haben.

Weiter geht es auf dem Wasserweg zum Pink Sand Beach, der ebenfalls noch auf Komodo liegt. Auf dem Weg gibt es Mittagessen – Reis mit Hühnchen und Gemüse, überraschend solide.
Anstatt uns danach am Strand rauszulassen, dockt unser Fahrer an ein grösseres Boot in der Bucht an und sofort hängt ein kleineres Boot an uns dran und wir bekommen Bier und Taxi angeboten. Ja, Taxi. Warum? Na weil wir zum Schnorcheln oder Sonnen aufgrund der starken Strömung an den Strand gebracht werden müssten. Von unseren Fahrern kommt weiterhin kein Wort. Die Leute mit Flossen schwimmen rüber zum Strand, ich versuche mein Glück kurz auch ohne solche, muss aber schnell aufgeben und wie der Rest der Truppe an Bord bleiben.

So haben wir eine halbe Stunde Zeit zu quatschen und erfahren, dass ein Pärchen für den Trip 900.000 Rupien pro Person gezahlt hat, ein anderer ist für 400.000 mit dabei. Immerhin sind wir mit 750.000 (ca. 45€) nicht die größten Deppen.

Der letzte Punkt auf der Tagesordnung ist Schnorcheln am Mantapoint.
Wir steuern einen Punkt auf dem offenen Meer an, an dem bereits einige Menschen im Wasser sind. Einige von uns hüpfen dazu und als wir an der Reihe sind, ist unser Boot bereits so weit abgetrieben, dass wir erst noch zu den anderen schwimmen müssen.
Auf dem Weg sehe ich unter mir schemenhaft einen Hai schwimmen und auch einen Mantarochen können wir kurz sehen, doch als wir bei den anderen ankommen ist das Boot wieder da und alle steigen über die Leiter zurück an Bord.
Ein paar Meter weiter wird wieder ein Manta gesichtet und der erste hüpft direkt wieder ins Wasser und wir anderen chaotisch hinterher.
Und dann taucht unter uns ein riesiger Manta auf, noch mal bestimmt einen Meter größer als die, die wir beim Tauchen gesehen haben, also über fünf Meter Spannweite. Meine Kamera habe ich wegen des Chaos‘ an Bord gelassen, aber so können wir den Moment so entspannt es mit zehn Leuten über einem Tier denn geht genießen. Der Rochen bleibt einige Zeit in unserer Nähe und zieht dann weiter, so dass wir auch wieder das Boot besteigen und die Heimreise antreten.

 

Zwei Stunden später sind wir wohlbehalten zurück in Labuan Bajo, wo sich unsere Truppe schnell auflöst, hauptsächlich weil niemand weiß, wo das geliehene Equipment zurückgegeben werden soll.
Wir zwei sind uns unsicher, wie wir den Tag einordnen sollen. Auf der einen Seite haben wir mit Padar Island, den Komodo Waranen und dem gigantischen Manta drei einmalige Dinge gesehen, die wir sicher so schnell nicht vergessen werden. Auf der anderen Seite war alles darum herum ein absoluter Tiefpunkt unserer Reise und wir sind beide leider nicht wirklich in der Lage solche Dinge einfach auszublenden.

Wir beschließen den Rest des Abends in unserem Hostel zu verbringen, essen dort zu Abend und lassen den Tag dann bei einem Bintang Radler im Pool über den Dächern von Labuanbajo ausklingen.

 

 

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