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Tag 24 | Doubtful Sound

Kayak-Trauma-Therapie

Als wir um 5.30 Uhr aufstehen ist es noch dunkel und da wir kein Licht in der Hütte haben (zumindest glauben wir das zu diesem Zeitpunkt) kommen unsere Taschen- und Stirnlampen zum Einsatz.
Warren hat uns wie besprochen einen Frühstückskorb im Kühlschrank weiter unten am Berg bereitgestellt und so braten wir uns im Halbdunkel Eier und Speck mit der Taschenlampe.

Sandra erzählt mir noch, wer oder was letzte Nacht alles auf unserem Dach hin und her gelaufen ist (es hatte auf jeden Fall zwei Beine sagt sie, also vermutlich ein eingewandertes Emu) und dann fahren wir die fünf Minuten zum Fähranleger in Manapouri, wo unser Ausflug zum Doubtful Sound startet.
Wir werden von unserem Kayak Guide und einigen Sandflies in Empfang genommen, bevor wir mit ca 20 Personen die Fähre besteigen, mit der wir den Lake Manapouri überqueren. Ich bin so verwöhnt von den bisherigen Wetterzuständen, dass ich meine Regenjacke nicht mitgenommen habe und nun sorgenvoll im Fahrtwind in die grauen Wolken über den Fjorden vor uns schaue.

Im Westarm des Sees legen wir nach 45 Minuten neben der Power Station an, von wo unsere 14-köpfige Kayak-Gruppe einige Minuten später mit einem Bus abgeholt wird.
Einen anderen Weg zum Doubtful Sound gibt es nicht, was aber dafür sorgt, dass entsprechend wenig Menschen den Weg dorthin antreten.
Alex, unsere Fahrerin, verkürzt uns mit einigen Geschichten (Der Doubtful Sound heißt übrigens so, weil James Cook, der alte Warmduscher, in Doubt war, ob er jemals wieder hinaus käme und daher gar nicht erst hineinsegelte) und ihrem trockenen Humor die 50-minütige Fahrtzeit über eine Passstraße, bis wir schließlich den Doubtful Sound erreichen.

Wir werden in zwei Gruppen eingeteilt und unser Guide Matt ist neben uns noch für ein chinesisches Paar und für Kat und Marcello aus Melbourne/Chile verantwortlich.
Er zeigt uns die 25 verschiedenen Klamotten, die wir gleich anziehen werden (unter anderem megaheiße blaue Strumpfhosen) und spätestens jetzt ist es auch egal, dass ich keine Regenjacke dabei habe, zumal das Wetter hier eh wieder deutlich besser ist.
Die Sandflies, die uns schon seit ein paar Tagen beißen, sind hier direkt am Wasser wirklich eine Plage und wir sind froh, dass wir endlich so viele lange Kleidungsstücke wie möglich über unsere Badesachen ziehen können.

Wir zwei hatten und vorher geschickterweise (wie wir dachten) Neopren-Wasser-Socken besorgt bzw. zu Weihnachten schenken lassen und dürfen nun den anderen dabei zuschauen, wie sie mit ihren Flip Flops locker über Schotter, Kiesel und spitze Steine runter zum Wasser gehen, während wir mit schmerzverzerrtem Gesicht hinterher humpeln. Sogar die Chinesin hat mit ihren hochhackigen Schuhen eine bessere Wahl getroffen.
Um das ganze auf die Spitze zu treiben, müssen wir natürlich noch unsere drei Kayaks einzeln zum Wasser tragen.
Erleichtert steigen wir endlich in unser Wasser-Gefährt und paddeln los.

Während wir nach unserem etwas traumatischen letzten Kayak Ausflug auf Curacao (inkl. Loch im Boot, Kentern auf dem offenen Meer, gescheitertem Heiratsantrag und Rettung durch Jetski-Fahrer) relativ schnell Vertrauen und Sicherheit gewinnen, braucht das chinesische Pärchen knapp zehn Minuten, um einigermaßen klar zu kommen.

Dann kann es los gehen und wir rudern langsam zu siebt zwischen den uns umgebenden Bergen hindurch durch den ruhigen Doubtful Sound (die „Sounds“ im Fiordlandnationalpark entstanden übrigens durch Gletscher, die die entsprechenden Furchen in die Berge fraßen und später schmolzen).

Außer uns sehen wir nur noch zwei Kayak Gruppen und nur ab und zu kommt ein kleines Boot vorbei. So hatten wir uns das vorgestellt, ruhig und fernab vom (extremen) Massentourismus. Matt passt sich dem Tempo der Gruppe an und während wir gemächlich übers ruhige Wasser gleiten, bleibt genügend Zeit für das ein oder andere Gespräch mit ihm sowie Kat und Marcello (unser Mandarin reicht leider nicht für ein Gespräch mit Team China).
Jetzt schlägt auch die große Stunde von Sandras Kayakhandschuhen, mit denen sie im Gegensatz zu jmir Blasen an den Händen vermeiden kann.

Matt erzählt uns, dass hier auch ab und an Delphine auftauchen, aber die sehen wir ebensowenig, wie die Pinguine, die wir auf einer kleinen Insel suchen. Aber das wäre auch nur ein unerwarteter Bonus gewesen.
Marcello und die Chinesin melden sich beide für ein kurzes Bad vom Kayak aus (wir beide lehnen dankend ab) und haben einige Probleme wieder in ihr Gefährt zu steigen.
Nachdem Matt uns noch eine Eskimo Rolle gezeigt hat, bewegen wir uns wieder zurück zum Startpunkt. Der schöne Teil des Ausflugs ist vorbei und unsere Fußsohlen werden beim zurückbringen der Ausrüstung noch ein mal heftig malträtiert.

Müde, aber glücklich steigen wir wieder in den Bus, der oberhalb des Sounds noch mal an einem Lookout Halt macht.

Die Fährfahrt kommt und dieses Mal deutlich länger vor und wir schützen uns dieses Mal unter Deck vor der Sonne.
Nach einer gierig runtergeschlungenen Limo fahren wir noch die 20 kurzen Minuten nach Te Anau, um unsere Tickets für die Wanderung auf dem Kepler Track in 2 Tagen abzuholen und uns mit überteuertem Trocken-fertig-Essen für diesen Zweck auszurüsten.

Zum Abschluss des Tages braten wir uns ein Steak mit etwas Gemüse und gehen noch im Hellen schlafen, aber nicht bevor Sandra zufällig an der Decke eine Lampe entdeckt. Irgendwie waren wir davon ausgegangen, dass es keine gibt und so waren uns auch nie die dazugehörigen Lichtschalter neben der Tür aufgefallen. Umso besser für den nächsten Morgen…

 

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