Der frühe Vogel vermeidet die Chinesen
4. Juni 2018
What goes up must come down
12. Juni 2018
 

Tag 26 | Kepler Track Tag 1 | Car Park – Luxmore Hut

Sky is the limit

Heute geht’s los. 60km und ca. 1600 Höhenmeter (rauf sowie runter) liegen vor uns. Der Kepler Track ist eigentlich nur unsere zweite Wahl, da der Milford Track bei unserer Buchung im letzten Frühjahr (also ca 7-8 Monate im Voraus) bereits ausgebucht war.

Wir frühstücken verhältnismäßig spät um acht Uhr und schmieren und schon mal die Brote für unsere Mittagspause später.
Um 10.45 stehen wir schließlich startklar am Parkplatz und laufen zu den Control Gates, dem Startpunkt des Tracks.
Als ich das erste mal gelesen hatte, dass wir an den Control Gates starten, hatte ich mir automatisch ein riesiges Tor wie bei Jurassic Park vorgestellt – bewacht von einem alten Mann mit Bart und Stab oder wenigstens von einem Ork.
In Wirklichkeit ist es aber nur die Schleuse, die den Wasserstand des Lake Te Anau kontrolliert, die wir überqueren müssen.

Die heutige Etappe geht über knapp 14 Kilometer und endet auf etwa 1000 Metern Höhe an der Luxmore Hut, wobei die ersten Kilometer relativ entspannt durch den Wald am See entlang führen und wir das flache Terrain nutzen, um unsere Rücksäcke zu justieren. Durch den Schatten spendenden Wald sind auch die sonnigen 30 Grad gut zu ertragen.

Nach und nach treffen wir immer mehr andere Leute, die lediglich einen kleinen Rucksack (wenn überhaupt), Turnschuhe und etwas Wasser dabei haben und wir bekommen wieder das Gefühl, beim Packen irgendwas falsch gemacht zu haben.
Nach etwas unter zwei Stunden erreichen wir den Camping Platz in Broad Bay und ab jetzt geht es nur noch gnadenlos bergauf. Zwischen Moos und den allgegenwärtigen Beech Trees (Buchen) kämpfen wir uns den gut ausgebauten, aber immer steiler werdenden Weg den Berg hinauf.
Unser Pausenbrot genießen wir zwischen Moos und Spinnennetzen auf einem alten Baumstamm – nicht, dass es eine andere Wahl gegeben hätte.

Schnell bekommen wir auch den ersten tollen Blick hinunter zum Lake Te Anau geboten. Einige Kilometer später waren die Limestone Bluffs als idealer Ort für einen Lunch Break beworben worden. Wir laufen die Steinwand entlang und können beim besten Willen kein schönes Plätzchen zum Hinsetzen finden, so dass wir unsere Nüsse und Äpfel eher ungemütlich auf Steinen essen müssen – nur um beim Weiterlaufen direkt hinter den Bluffs den perfekten Picnic Platz zu entdecken…

Langsam sind wir mit unseren Kräften am Ende – zumal die Steigung immer noch zunimmt – und sehnen die Baumgrenze herbei, ab der es laut App etwas flacher werden soll.
Der offizielle Streckenplan hilft nicht wirklich weiter, da hier beim Höhenprofil eher auf gleichmäßig geschwungene Kurven, als auf eine akkurate Darstellung der Steigung gesetzt wurde.
Der Moral hilft es auch nicht, dass man durch die Bäume und die Windungen des Weges nicht annähernd erahnen kann, wie lange die Kraxelei noch geht – und nach jeder Kurve nur eine neue Steigung auftaucht.

Mit unserer Belohnungs-Cola verschaffen wir uns bei einer der immer häufiger werdenden Atempausen den finalen Powerschub und als ich Sandra zum dritten oder vierten Mal verspreche, dass hinter der nächsten Kurve die Baumgrenze auftaucht, ist es tatsächlich so weit. Wir können endlich sehen wo wir hin laufen und bekommen zusätzlich ein paar tolle Ausblicke in Richtung des Sees – der inzwischen weit unter uns liegt – und auf die Berge vor uns. Wir sind nur inzwischen so platt, dass wir es nicht wirklich genießen können.
Auf den letzten Metern bekommen wir dann auch das erste mal die volle Sonneneinstrahlung ab, was aber auf Grund der niedrigeren Temperatur hier oben nicht unwillkommen ist. Meine Klamotten sind sowieso schon lange klitschnass.

Nach etwas mehr als 6 Stunden erreichen wir um 17 Uhr die Luxmore Hut, die Platz für 65 Übernachtungsgäste bietet. Wir reißen uns die Wanderschuhe von den Füßen und suchen uns die besten der wenigen noch freien Stockbetten aus, was bedeutet, dass wir jeweils in der ersten Etage gegenüber liegen.

 

Nach einer Katzenwäsche (Duschen oder warmes Wasser gibt es in keiner der Hütten) setzen wir uns in die Gemeinschaftsküche und „kochen“ unser erstes Abendessen. Genauer: wir kochen etwas Wasser auf und kippen es in den “Pasta Alfredo“ Beutel, der nun einen Haufen gefriergetrocknetes Pulver in ein Festmahl für zwei Personen verwandeln soll. Es bleibt hier aber bei der Theorie, denn weder reicht es für zwei Personen, noch schmeckt das Essen sonderlich gut, so dass es nicht mal den Kea interessiert, der die Hüttenbesucher auf der Terrasse unterhält.
Zum Glück haben wir noch ein Ass im Ärmel. Mit unserem „Apple Crumble“, der auf die selbe Art und Weise zubereitet wird, ziehen wir den einen oder anderen neidischen Blick auf uns und glücklicher- und überraschenderweise schmeckt das schleimige Ergebnis tatsächlich so gut, wie es duftet.

Endlich stellt sich auch ein gutes “Wir haben’s geschafft” Gefühl ein. Danach versammeln sich alle im Gemeinschaftsraum (der gleichzeitig die Küche ist) und der für die Hütte zuständige Ranger Peter oder „PJ“ (da war doch was…) gibt erst mal auf einer Flöte einen zum besten, um für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Wir bekommen einige Verhaltensregeln mit auf den Weg (z.B. Fenster nachts offen lassen, zum Schutz vor dem sogenannten „Soxygen“) und irgendwie scheint der Name PJ dazu zu verpflichten, irgendetwas ganz besonderes zu präsentieren, denn als nächstes erzählt er uns von den Tierfallen am Wegesrand, die die von den Europäern eingeführten und zur Plage für die einheimische Vogelwelt gewordenen Opossums und „Stoats“ ausrotten sollen. Ich habe keine Ahnung was ein Stoat sein soll, aber hey, zum Glück hat der rüstige Ranger ein totes Exemplar dabei, welches er lapidar nach einigem Kramen aus der Hosentasche hervor zaubert. Es ist ein großes Wiesel.

Peter erzählt uns noch, dass dieser Januar der heißeste aller Zeiten in Southland sei. Morgen soll es also wieder nett werden, nur sollen wir aufpassen, dass wir nicht vom 50 km/h starken Wind auf den Berggipfeln ins Outer Space gepustet werden.

Mit diesen guten Nachrichten besteigen wir nach einer kurzen Fotorunde mühsam unsere Koje, jedoch nicht ohne uns mehrmals unsere Knie und Schienbeine an der ungünstig angebrachten Leiter zu stoßen.

Dank meiner Schlafsaal-Erfahrungen aus dem letzten Sommer (Danke Rob), habe ich auf das Mitnehmen von Ohropax bestanden und diese sind nun Gold Wert und bescheren uns einen überraschend guten Schlaf.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.