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Tag 58

Ayers Rock

Um vier Uhr bin ich das erste Mal wach. Nachdem es gestern Abend noch ziemlich warm war, bereue ich jetzt, dass ich etwas blauäugig meinen richtigen Schlafsack nicht mal ausgepackt habe. Ich hoffe kurz vielleicht doch noch die Milchstraße zu sehen, aber der pralle Mond ist noch immer mitten über uns. Also döse ich bis zum Wecken um fünf fröstelnd vor mich hin. Wir packen unsere Swags zusammen und laufen wieder den Hügel hoch, wo uns ein Aboriginal mit einer mächtigen Alkoholfahne entgegen kommt.

  

Nach dem Sonnenaufgang gibt es Frühstück, wobei Dave nicht da ist, da er sich um einen Notfall kümmern muss. Luis aus Deutschland hatten wir gestern schon mehrfach gekrümmt irgendwo hocken sehen. Er hatte sich wohl bei einem Klippensprung in Cairns eine Bauchmuskelverletzung zugezogen und hatte nun zu große Schmerzen, so dass Dave ihn ins kleine Ayers Rock Krankenhaus gefahren hat.

Nach dem Frühstück fahren wir also wieder mal unsere Lieblingsstraße entlang und bringen Luis zurück ins Camp, wo er später abgeholt und nach Alice Springs gebracht werden soll.
Die junge Schweizerin ist übrigens völlig überraschend wie durch ein Wunder über Nacht geheilt, sonst hätte sie direkt mitfahren können.

Wir fahren zu den „Kata Tjuta” (übersetzt “viele Köpfe”) bzw. den Olgas, einer weiteren Felsformation, die sich mitten in der Wüste aufgetürmt hat. Eine  nette 5,4km lange Wanderung führt uns über Steine und an Felswänden entlang zu einem schönen Aussichtspunkt, wo wir ein paar Fotos schießen und auf den warmen Felsen Pause machen.

Auf dem Rückweg quatsche ich mit Ben über unsere Reisen. Die beiden haben sechs Monate Zeit und waren schon im Süden Afrikas, in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie auf den Fidschis, bei denen sich Sandra jeden Tag mindestens ein mal ärgert, dass wir nicht von Neuseeland aus hin geflogen sind.

Zurück am Bus werden wir mit Früchten versorgt, bevor wir zum Lunch wieder zurück zum Camp fahren. Eigentlich wollten wir an einem Pool zu Mittag essen, aber da wir „nur“ die Backpacker Tour sind, wir Dave uns erklärt, müssen wir anderen den Vortritt lassen.
Also kochen wir mit unseren Sandwiches in einer anderen Hütte des Camps vor uns hin.

Danach fahren wir weiter zum Mt. Conner Lookout. Zum Berg selber kann man nicht fahren, da das Land in Privatbesitz ist und der Besitzer es nach einigen Streitigkeiten für Besucher gesperrt hat…erzählt uns zumindest Dave. Laut Wikipedia kann man dort übernachten und geführte Touren buchen.

Etwas weiter die Straße runter machen wir halt, um Feuerholz für unser Nachtlager zu sammeln. Zuvor sagt uns Dave allerdings, dass irgendwie alle immer eine lange Straße fotografieren wollen – also fotografieren jetzt alle eine Straße.
Für das Feuer werden anschließend komplette Baumstämme aus dem Boden gerupft, wobei ich es natürlich schaffe, mir ein paar Kratzer in den Beinen zuzufügen.

Mit unserer auf den Anhänger geschnallten Beute fahren wir weiter, wobei die engen Sitze langsam ziemlich ungemütlich werden. Wir erreichen eine kleine Tankstelle und decken uns mit jeder Menge überteuerter Getränke für den Abend ein, bevor wir unser Ziel erreichen, das Camp in der „Kings Creek Station“.

Hier bekommen wir endlich unseren lang ersehnten Pool und die komplette Gruppe stürzt sich ins Wasser, während Dave unser Feuer entfacht.
Danach helfen ein paar Leute bei der Zubereitung des Essens und wir verteilen uns auf unseren Swags sitzend und mit einem Bierchen in der Hand rund ums Feuer. Die Zeit bis zum Essen vertreiben wir uns mit einem Spielchen und dann machen wir uns gierig über das Känguru-Ragout, Gratin und die Nudeln her, die Dave in Töpfen auf dem Feuer zubereitet hat. Es ist – schon wieder – wirklich lecker und so sitzen wir pappsatt noch ein wenig bei Bier und Musik ums Feuer herum und erfahren unter anderem, dass wir erst Dave’s zweite Tour sind, die er alleine machen darf.

Bevor wir unsere Swags beziehen, läuft Ben noch eine große Spinne über den Fuß und wir hören in der Ferne das Heulen der Dingos während passend dazu der Mond über uns leuchtet.
Sandra verzichtet heute auf ihre Schutzhaube und ich bereite meinen warmen Schlafsack vor. Trotzdem ist die Nacht eher unruhig, doch obwohl Dave uns gesagt hat, dass die Dingos heute Nacht ins Camp kommen (man weiß bei ihm nie so genau, was er ernst meint) und ich mich bei jedem Aufwachen umschaue, verpasse ich das Highlight: Denn als Sandra mir irgendwann nachts sagt: „da steht einer am Feuer“, denke ich mir im Halbschlaf nur, warum sie mich wohl weckt, nur weil irgendeiner von den anderen Heinis am Feuer steht und drehe mich um. Naja, sie meinte halt einen Dingo, der gemeinsam mit mindestens einem anderen nachts ins Camp gekommen war.

 

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