Ein schmaler Grat
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Abgewrackt
12. März 2018
 

Tag 67

Padangbai

Wir werden von Gesang aus dem Dorf, natürlich wieder von Musik, dem Hupen der Fähren und den Fähransagen aus dem Hafen m 6 Uhr geweckt.
Sehr viel länger hätten wir aber eh nicht geschlafen, da wir nach unserem leckeren, aber etwas kleinen Frühstück runter zur Tauchbasis müssen.
Wir ziehen unsere Tauchanzüge an und latschen dann die paar Meter zum Hafen, wo bereits ein Speedboat mit unserer restlichen Ausrüstung wartet. Masken und Schnorchel haben wir selber mitgebracht, den Rest bekommen wir geliehen.
Mit unserer Truppe aus insgesamt sieben Tauchern (alle aus Deutschland) und drei Guides (zwei Einheimische und eine Deutsche) peitschen wir über die Wellen in Richtung Nusa Penida. Die kleine Insel zwischen Bali und Lombok hat eine spektakuläre Steilküste mit vielen vorgelagerten Felsen und ich ärgere mich etwas, meine Kamera nicht mitgenommen zu haben. Sandra genießt die Aussicht vom Sonnendeck aus, was ich mir gerade auf Grund der Sonne lieber spare und lieber unter dem Dach durch ein Fenster schaue.

Wir erreichen unser Ziel, den Manta Point, wo bereits einige Boote vor Anker liegen. Sandra und ich tauchen mit unserem Guide Komang, einem Mädel und einem älteren Mann sowie Esther von der Tauchschule, die den Schluss bildet.
Vom Boot aus geht es per Rückwärtsrolle ins Blaue und kaum dass wir ein paar Meter Wasser über uns haben, sehen wir auch schon die ersten riesigen Mantarochen durchs Wasser gleiten. Ein unbeschreibliches Gefühl.
Die folgende knappe Stunde machen wir nicht viel mehr, als mit offenen Mündern (gut, durch den Atemregler sind sie das eh) die bis zu acht gemächlichen Tiere um uns herum zu beobachten. Ach ja, ein Oktopus am Meeresboden gerät hier fast schon zur Nebensache.

Dass der Mantapoint (die Tiere kommen hier zu einem Felsen, um sich von kleineren Fischen reinigen zu lassen) so bekannt und beliebt ist, hat leider auch seine negative Seite. Während wir sechs ganz entspannt im Wasser stehen und genießen, gibt es leider jede Menge Knalltüten, deren Flossen wir ausweichen müssen, da sie hektisch im Wasser umher irren.
Das bleibt aber zum Glück nur eine kleine Randnotiz und zurück an Bord tauschen wir uns bei Cola, Früchten und Keksen über die Einschätzungen der Größe der Tiere aus. Wir einigen uns auf etwa vier Meter Spannweite beim größten Exemplar und fahren mit dem Boot auf die andere Seite der Insel, wo ein Strömungstauchgang geplant ist.

Beim Sprung ins Wasser geht mein Schnorchel flöten und nach kurzer gemeinsamer Suche im Wasser findet ihn Komang auf dem Meeresboden.
Es kann also los gehen und wir „setzen“ uns einfach in die Strömung, drehen uns in Richtung Riff und lassen die bunte Korallenlandschaft an uns vorbei ziehen. Nach dem (aus tauchtechnischer Sicht) eher enttäuschenden Tauchtripp zum Great Barrier Reef sind wir hier total begeistert vom farbenfrohen Riff (was unsere Billig-Cam nicht wirklich einfangen kann) und der Vielfalt der Fische. Wir sehen Schildkröten, einen mächtigen Kugelfisch und jede Menge weiterer Meeresbewohner.
Eine Schildkröte hat sich in einem Stein eingeklemmt und Esther kann sie zum Glück befreien.
Als wir wieder auftauchen wartet unser Boot schon auf uns und wir können den Rückweg nach Bali antreten.

Nach einem kurzen Mittagessen fragen wir im Warung unserers Vertrauens, wo man am besten Sarongs kaufen kann. Das nächtliche Gedudel gestern war nämlich die Generalprobe für eine heute stattfindende Zeremonie an der wir teilnehmen wollen und hierfür brauche nun auch ich einen Sarong.
Wenig überraschend hat die nette Restaurant-Inhaberin selber ein paar davon auf Lager (vermutlich fährt sie auch Taxi und bietet Bootstouren an) und so komme ich zu einem wunderschönen Tuch, für das ich gerade mal ein sechstel so viel bezahle, wie Sandra vor ein paar Tagen. Wir flitzen die 524 Treppenstufen zum Hostel hoch, duschen schnell und werfen uns in Schale, um wieder zurück ins Dorf zu kommen.

Vorm Tempel wird bereits gebetet und eine Menschenmenge steht darum herum. Wir sind etwas verwirrt, schließlich haben wir keine Ahnung, was heute überhaupt passiert.
Man zeigt uns, an welcher Stelle sich die Touristen am besten platzieren und so nehmen wir auf einer Steinmauer neben einer improvisierten Bühne (ein Tuch auf dem Boden), neben der bereits die Musikinstrumente aufgebaut sind, platz. Ich habe mich mal schlau gemacht: Das Musik-Ensemble nennt sich Pelegongan und besteht hauptsächlich aus Metallophonen.

Nach und nach spazieren zunächst die Damen und Kinder des Ortes mit verschiedensten Opfergaben auf dem Kopf an uns vorbei (wir haben keine Ahnung wohin diese gebracht werden) und die Männer trudeln langsam vom Tempel zur Bühne, wobei die männlichen Locals größtenteils gegenüber von uns sitzen, während die meisten Frauen und Kinder auf unserer Seite unterkommen und es langsam ziemlich eng wird.

Ein Franzose sorgt ein wenig für Aufklärung, in dem er hektisch Flugblätter auf Englisch, Deutsch und Französisch verteilt und uns erklärt, dass wir uns ruhig verhalten, falls eine Person in Trance an uns vorbei käme. Okay. Wie auch immer das aussieht.

Dann startet die Aufführung und wir erkennen jede Menge Elemente aus dem Legong Dance wieder, den wir in Ubud besucht haben. Es beginnt mit einer einzelnen Tänzerin, auf die zwei weitere Tänzerinnen folgen.
Darauf folgt der Krieger und nach ihm ein maskierter Dämon. Ich würde euch liebend gerne erklären, was genau welche Figur bedeutet oder wofür sie steht, aber erstens Blicken wir trotz Flugblatt nicht wirklich durch und zweitens finde ich auch im Nachhinein keine Erläuterung, die genau zu dem passt, was wir hier gerade sehen. Was ich als nächstes schreibe ist also eine Mischung aus gefährlichem Halbwissen und Raten.

Als nächstes tritt eine der beiden Hauptfiguren in Erscheinung: Barong, eine große, löwenartige Gestalt, die entgegen unserer Wahrnehmung das Gute repräsentiert. Diese schreit (mikrophonverstärkt) erst mal laut rum und liefert sich ein Wortgefecht mit dem ersten Dämon, der anschließend auch (zumindest sieht es für uns so aus) ordentlich von hinten angegriffen wird. Es erscheinen weitere maskierte Figuren (unser Favorit ist der Vogel), die im Endeffekt alle von Barong malträtiert werden.

Als nächstes wird die böse Hexe Rangda von zwei Wächtern hereingeführt. Einmal freigelassen führt sie offensichtlich nichts Gutes im Schilde und so schreit sie erst mal alles und jeden an. Es kommt zum Showdown zwischen ihr und Barong, dessen Ausgang nicht ersichtlich ist.
Rangda steht anschließend eine gefühlte Ewigkeit vor den Besuchern der Zeremonie und brüllt in die Menge, während die Zuschauer allesamt eher gelangweilt aussehen, als in Trance zu fallen.

Auf unseren engen Plätzen überlegen wir uns, ob wir nicht langsam einen Abgang machen sollen, als plötzlich Unruhe im Publikum aufkommt. Plötzlich hören wir Schreie und Gruppen von Menschen stehen hektisch bis panisch auf. Verschiedene Besucher brüllen wie am Spieß und sprinten durch die Menge, bis sie von anderen Teilnehmern oder extra für diesen Zweck anwesenden Sicherheitsleuten eingefangen, mit irgendetwas gefüttert und mit Wasser versorgt werden, auf das sie sich gierig stürzen. Es dauert eine ganze Zeit, bis ca. 20 in Trance gefallene Männer und auch Frauen eingefangen und beruhigt sind, die dann auf der Bühne von jeweils einem Helfer völlig ausgeknockt gehalten und befächert werden.

Am Ende steht Barong wieder vorne und alle „Opfer“ werden mit Weihwasser bespritzt und im Anschluss völlig fertig aus der Menge geführt.

Wir sind selber etwas fertig und sprachlos auf Grund dieser plötzlichen Wendung.
Nachdem ich nun Erklärungen und Artikel gewälzt habe würde ich vermuten, dass die in Trance gefallenen Menschen von Rangda mit schwarzer Magie verhext wurden. In der ursprünglichen Geschichte waren dies Krieger, die mit ihren Speeren Barong zur Seite standen und von Rangda dazu gebracht wurden, diese gegen sich selber einzusetzen. Barong schafft es aber, die Magie umzukehren und (je nach Variante) Rangda zu vertreiben. In den meisten Schilderungen geht der Kampf allerdings unentschieden aus, um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zu wahren. Wer es besser weiß, möge mich gerne korrigieren.

Nach zweieinhalb Stunden machen wir uns wieder auf den Weg zum Hostel und nehmen noch ein paar Melonenstücke auf die Hand mit.
Wir skypen, checken Mails und versuchen dann zu schlafen, was anhand des Geräuschpegels aus dem Dorf eher schwer ist. Neben der üblichen Musik, die wir bereits seit Stunden hören kommen nun auch Gebetsgesang und eine weibliche Sängerin dazu. Das Highlight kommt, als Sandra bereits eingeschlummert ist. Vom Band wird Hundegejaule eingespielt. Immer und immer wieder das gleiche Sample, was letztendlich die Straßenhunde im Ort dazu bringt selber mit einzustimmen. Gemeinsam mit dem Hupen der Fähren und den Ansagen aus dem Terminal ergibt das einen ordentlichen Mix, den man auch gut nach Guantanamo als Foltermethode verkaufen könnte. Es leben die Ohropax.

 

 

1 Kommentar

  1. Ralf sagt:

    Tim im Röckchen hat auch seinen Reiz.

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